Digitaler Nachlass: Wenn fehlende Passwörter für Erben zur Kostenfalle werden
Ein aktueller Fall der Verbraucherzentrale Sachsen-Anhalt warnt Hinterbliebene vor den finanziellen Risiken eines ungeklärten digitalen Erbes.
Halle (Saale) – Der digitale Nachlass wird für Angehörige zunehmend zur bürokratischen und finanziellen Hürde. Wie die Verbraucherzentrale Sachsen-Anhalt aktuell berichtet, können fehlende Zugangsdaten zu Online-Konten Verstorbener fatale Folgen für die Erben haben. Ein konkreter Fall aus der Region verdeutlicht die Problematik: Eine Witwe sah sich mit einem Mahnbescheid konfrontiert, der auf eine Forderung über den Zahlungsdienstleister PayPal zurückging. Die strittige Rechnung soll erst nach dem Ableben ihres Ehemannes entstanden sein.
Da der Frau jedoch weder die Passwörter für das PayPal-Konto noch für das zugehörige E-Mail-Postfach ihres verstorbenen Mannes vorlagen, war es ihr zunächst unmöglich, den Sachverhalt zu prüfen oder die Forderung wirksam zu bestreiten. Dieser Mangel an digitalem Zugriff erschwert die Abwicklung des Nachlasses erheblich und kann im schlimmsten Fall dazu führen, dass unberechtigte Forderungen unangefochten bleiben. Experten raten daher dringend dazu, Vorsorge zu treffen. Zugangsdaten sollten sicher hinterlegt und für Vertrauenspersonen im Ernstfall zugänglich gemacht werden. Wer den digitalen Nachlass nicht rechtzeitig regelt, riskiert, dass Hinterbliebene in langwierige rechtliche Auseinandersetzungen geraten, bei denen sie mangels technischer Möglichkeiten kaum Beweise gegen unberechtigte Forderungen vorbringen können.